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Payment-Anbieter Paymill meldet Insolvenz an

Das zuletzt in 34 Ländern aktive Payment-Start-up Paymill, das aktuell 60 Mitarbeiter beschäftigt, hat nun ein vorläufiges Insolvenzverfahren angemeldet. Zuvor war ein Versuch geplatzt, das Unternehmen zu verkaufen.

“Strategische Insolvenz” als Überbrückung

Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Christian Gerloff bestellt. Paymill-Gründer Mark Henkel spricht von einer “strategischen Insolvenz” - mit dem vorläufigen Insolvenzverfahren will die Unternehmensleitung zunächst einmal Zeit gewinnen. Eine geplatzte Übernahme vor einiger Zeit hat Paymill unter finanziellen Druck gesetzt, denn die strategischen Partner von Paymill wollen nun nicht mehr weiter in das Unternehmen investieren. Auch die lange Wartezeit auf eine Banklizenz - die jedes Fintech-Unternehmen benötigt, um effizient am Markt teilzuhaben - spielte hier wohl eine Rolle, da in dieser Zeit das Wachstum des Start-ups limitiert wurde.

Investitionen von 18 Millionen US-Dollar

Seit der Gründung im Jahr 2012 flossen Investitionen im Wert von 18 Millionen US-Dollar in Paymill. Unterstützt wird das Start-up von Rocket Internet, darüber hinaus gehören Blumberg Capital, Holtzbrinck Ventures und Sunstone Capital zu den Investoren. Nun sind die Venture Capitals nicht weiter bereit, in Paymill zu investieren.
Aktuell kann Paymill 1.800 Firmenkunden in 34 Ländern vorweisen, zu denen Doodle, Freeletics und Flixbus gehören. Sie nutzen die vom Unternehmen angebotene Lösung, um in ihren Online-Shops oder Apps Kreditkarten-Zahlungen sowie weitere Bezahlmethoden in bis zu 100 Währungen anzubieten.

Warten auf einen Käufer

Nun hofft Gründer Mark Henkel darauf, über das Verfahren der selbst verwalteten Insolvenz einen Käufer für Paymill zu finden. Hier kommt der neue Geschäftführer des Unternehmens, der Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Vinzenz von Braun, ins Spiel. Er strebt einen sogenannten “Asset Deal” mit Betriebsübergang an - das würde bedeuten, dass die werthaltigen Teile von Paymill - inklusive der Mitarbeiterverträge - aus der bestehenden Gesellschaft herausgekauft werden. Der potenzielle Käufer müsste so nicht die Schulden und Forderungen des Unternehmens übernehmen - wie es bei einem sogenannten “Share Deal” der Fall wäre.

Kein Erfolg für Rocket Internet im Fintech-Sektor

Paymill - bei dem es sich um eine Kopie des US-Konkurrenten Stripe handelt - ist nicht das erste Fintech-Start-up von Rocket Internet, bei dem der Erfolg ausbleibt. Ebenfalls im Jahr 2012 lancierte Rocket Internet Payleven, einen Mobile-Payment-Anbieter. Dieser gab nun seine Fusion mit dem Konkurrenten SumUp bekannt. Das neue Unternehmen wird dabei unter dem Namen SumUp weitergeführt, und SumUp-Mitgründer Daniel Klein wird CEO der neu fusionierten Firma. Payleven-Mitgründer Konstantin Wolff hingegen soll Marketing-Chef werden.

Quellen:
http://www.internetworld.de
http://www.gruenderszene.de
http://www.deutsche-startups.de