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Deutsche stehen Mobile Payment skeptisch gegenüber

Der Artikel in Kürze

Während in China das Bezahlen mittels Smartphone boomt, sehen die deutschen Verbraucher keinen Grund auf mobiles Payment zu wechseln. Zu unsicher, zu wenig Anreiz und keine ausreichende Infrastruktur - Mobile Payment steht in Deutschland vor Herausforderungen, die es in den nächsten Jahren zu bewältigen gilt. 


Ein Blick nach China


Das Kaufverhalten in China lässt einen Blick in die Zukunft für den deutschen Markt zu. Denn laut der PwC-Studie “Total Retail 2016” sind die Chinesen den Deutschen im Einkaufsverhalten um einige Jahre voraus. Während in Deutschland im Jahr 2015 etwa 35 Prozent der Bürger mittels Smartphone Produkte einkauften, war dies in China bereits 2012 der Fall. Im vergangenen Jahr kauften zwei von drei Chinesen mindestens einmal im Monat mobil ein. Laut Studienautoren der PwC wird dieser Trend auch in anderen Ländern zeitnah eintreten und die Zahl sowie die Frequenz der Online-Käufe steigen lassen.

 


Omni-Channel steht hoch im Kurs


Der wachsende Zugriff auf Online-Shops zeigt die voranschreitende Digitalisierung und das sich verändernde Konsumverhalten der Bundebürger. Die stärker werdende Fragmentierung der Costumer Journey bewirkt eine zunehmende Bedeutung von Geschäftsmodellen mit Omni-Channel-Lösungen. Verbraucher informieren sich immer häufiger online über Produkte. Hierbei kommt meist der PC zum Einsatz, doch auch über das Smartphone - etwa über Kundenbewertungen in sozialen Medien - orientiert sich der Verbraucher bevor eine Kaufeintscheidung gefällt wird.


Bezahlen erfolgt nicht über Smartphone


Auch wenn die Customer Journey den Verbraucher zum mobilen Endgerät führt, so wird der Payment-Prozess doch bevorzugt nicht über das Smartphone abgewickelt. Denn beim mobilen Bezahlen fehlen entscheidende Impulse, um dem Mobile Payment zum Durchbruch zu verhelfen. Die Zahlen der PwC-Studie belegen das: Nur sechs Prozent der deutschen Verbraucher nennen das Smartphone als ihr bevorzugtes Zahlungsinstrument. Selbst einfache und scheinbar sichere Prozesse, wie Guthaben auf das Smartphone laden und damit bezahlen, möchte der deutsche Konsument nicht.


In Deutschland beliebt: Bargeld, EC-Karte und Rechnungskauf


Nur ein kleiner Prozentsatz zahlt regelmäßig seine Einkäufe mittels Smartphone. Der Großteil der Deutschen - 80 Prozent - bezahlt Produkte auf die altbewährte Art mit Bargeld. In weiterer Folge werden hierzulande Bezahlprozesse mit knapp 70 Prozent per EC-Karte und mit 50 Prozent auf Rechnung abgewickelt. Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt an der Unsicherheit der deutschen Verbraucher, die Angst vor einem Hackangriff auf ihre Kontodaten auf dem Smartphone haben. Die Mehrheit der deutschen Bundesbürger fühlt sich bei traditionellen Bezahlverfahren sicherer und sieht auch keinen Anreiz durch beispielsweise Zusatzfunktionen auf mobiles Payment umzusteigen.


„Wenn es den Anbietern von Mobile Payment gelingt, den Nutzern Sicherheitsgarantien zu geben und echte Vorteile gegenüber dem Bezahlen mit Bargeld oder EC-Karte zu bieten, halten wir an unserer Prognose fest, dass die Kundenbasis für Mobile Payments bis 2020 auf elf Millionen echte Nutzer steigen wird“, so Dr. Nikolas Beutin, Partner bei PwC im Bereich Marketing, Sales & Pricing zum Thema Mobile Payment. 

 


Quellen:

Kontaktloses Bezahlen während Corona

Auch die internationalen Strategieberatung Oliver Wyman sieht COVID-19 als Katalysator für bargeldloses Zahlen. So könnte der Umsatz der Barzahlungen im Jahr 2025 bei etwa nur mehr 32 Prozent liegen. Denn die während der Corona-Pandemie geltenden Hygienemaßnahmen könnten einen gewissen Umgewöhnungseffekt der Bezahlmethoden mit sich bringen. Schon jetzt sprechen Händler von einem Anstieg von 65 Prozent wenn es um kontaktlose Bezahlung geht.  In den letzten Wochen wurde mehr als die Hälfte aller Girocard-Zahlungen kontaktlos durch­geführt. Dies gab die Deutsche Kredit­wirt­schaft (DK) gegen­über der Deutschen Presse Agentur bekannt. Im Dezember 2019 betrug der Anteil der kontaktlosen Zahlungen mit Girocards nur  35 Prozent.